Mietbetrug mit falschen Wohnungsinseraten: Warnsignale und wie du vor dem Zahlen prüfst
Eine perfekte Wohnung, ein unglaublich niedriger Preis und ein Vermieter, der eine Anzahlung per Echtzeitüberweisung will. So funktioniert der Mietbetrug und so prüfst du ein Inserat, bevor du zahlst.
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Mietbetrug mit falschen Wohnungsinseraten: Warnsignale und wie du vor dem Zahlen prüfst
Das Inserat ist perfekt: eine helle Wohnung in guter Lage, deutlich günstiger als alles andere. Der „Vermieter“ antwortet schnell per WhatsApp und ist freundlich, hat aber ein Problem: Er lebt im Ausland, es gibt viele Interessenten, und er braucht noch heute eine Anzahlung, um die Wohnung für dich zu reservieren. Wenn du zahlst, gibt es die Wohnung nicht oder sie gehört ihm nicht, und dein Geld ist weg. Das ist Mietbetrug mit falschen Inseraten, und er funktioniert, weil er den Zeitdruck am Wohnungsmarkt mit sofortigen, kaum umkehrbaren Zahlungen verbindet.
Wie funktioniert der Betrug?
Das Drehbuch wiederholt sich mit wenigen Abwandlungen:
- Der Köder. Fotos eines echten Inserats (von einem anderen Portal, aus einer anderen Stadt oder einem anderen Land) werden kopiert, und die Wohnung wird zu einem Lockpreis deutlich unter dem Marktniveau angeboten. Günstig genug, dass dein Schnäppchen-Radar anspringt, aber nicht so günstig, dass es unmöglich wirkt.
- Der Kontakt außerhalb des Portals. Man bittet dich, per WhatsApp oder Telefon weiterzureden, außerhalb des Portal-Chats, wo Spuren blieben und das Inserat gemeldet werden könnte.
- Die Geschichte. Der Vermieter ist gerade weg (Arbeit, Erbschaft, Scheidung), kann dir die Wohnung jetzt nicht zeigen, aber die Interessenten stehen Schlange. Manchmal schickt er dir das Foto eines Ausweises (gefälscht oder einem anderen Opfer gestohlen), um Vertrauen aufzubauen.
- Die dringende Anzahlung. Verlangt werden € 200 bis € 500 als Reservierung, per Echtzeitüberweisung, über einen Zahlungsdienst oder sogar in Kryptowährung. „Nur damit die Wohnung bis zur Besichtigung für dich reserviert ist.“ Sobald du zahlst, verschwindet die Person oder verlangt eine zweite Zahlung („die Agentur will eine Monatsmiete im Voraus“).
- Die Varianten. Manchmal gibt es eine Besichtigung, aber ein Komplize zeigt die Wohnung, oder man bestellt dich zu irgendeinem Hauseingang und taucht nie auf. Eine andere Variante: Man verlangt zusätzlich zum Geld deine Daten „für den Vertrag“ (Ausweis, Lohnzettel), und die Beute umfasst auch deine Identität.
Achte darauf, was alle Varianten gemeinsam haben: zahlen, bevor du prüfen konntest, und zwar über einen Weg ohne Käuferschutz. Bei einer Echtzeitüberweisung ist das Geld in Sekunden weg und lässt sich kaum zurückholen.
Welche Signale verraten eine falsche Mietwohnung?
Keines allein ist ein Beweis, aber zwei oder drei zusammen sind ein klares Zeichen, die Finger davon zu lassen:
- Preis deutlich unter dem Markt in dieser Gegend. Vergleich mit ähnlichen Wohnungen im selben Viertel.
- Fotos, die auch in anderen Inseraten auftauchen. Mach eine umgekehrte Bildersuche: Wenn dieselben Fotos Wohnungen in verschiedenen Städten bewerben, ist das Inserat gefälscht.
- Der Vermieter kann die Wohnung nicht zeigen, die Anzahlung aber sehr wohl kassieren. Diese Schieflage sagt alles: Prüfen ist schwer, Zahlen ist leicht.
- Künstlicher Zeitdruck: „Ich habe drei Leute auf der Warteliste“, „wenn nicht heute, nimmt sie jemand anderer“. Die Eile soll verhindern, dass du prüfst.
- Geld vor der Besichtigung, per Überweisung, Zahlungsdienst oder Gutschein. Keine seriöse Vermietung verlangt Geld, bevor du die Wohnung gesehen und unterschrieben hast.
- Seltsamer oder fehlender Vertrag: ohne Angaben zur Eigentümerin oder zum Eigentümer, oder gleich „den unterschreiben wir nach der Anzahlung“.
- Die Telefonnummer des Inserenten hat schon Meldungen. Such sie im Verzeichnis der Spam-Nummern: Solche Betrüger verwenden Nummern wieder, und oft sind sie schon markiert.
Wie prüfe ich ein Inserat, bevor ich zahle?
Geh diese Liste der Reihe nach durch und zahl nichts, bevor du fertig bist:
- Such die Telefonnummer im Verzeichnis der Spam-Nummern und in einer normalen Suchmaschine. Taucht sie bei mehreren Inseraten oder in Betrugswarnungen auf: Finger weg.
- Mach eine umgekehrte Bildersuche mit den Fotos des Inserats. Tauchen sie auf anderen Portalen, in anderen Städten oder Ländern auf: Finger weg.
- Besteh darauf, die Wohnung von innen zu besichtigen, bevor du einen Euro zahlst. Ohne Ausnahme: weder „ich schick dir ein Video“ noch „mein Cousin sperrt dir nächste Woche auf“. Keine Besichtigung, keine Zahlung.
- Lass dir nachweisen, dass die Person vermieten darf: Ausweis des Vermieters und ein Beleg, dass ihm die Wohnung gehört oder dass er sie im Auftrag der Eigentümer vermietet. Verweigert man dir das: Finger weg.
- Misstrau dem Blitzvertrag: Ein echter Mietvertrag wird mit Identifizierung beider Seiten, Übergabeprotokoll und einer im Vertrag klar festgehaltenen Kaution unterschrieben. Lies alles, bevor du unterschreibst, und unterschreib nichts unter Druck.
- Zahl nur nachvollziehbar und erst nach der Unterschrift: per Banküberweisung an die Person, die im Vertrag steht, nie an Dritte und nie in bar ohne Quittung. Und zahl niemals, „um die Wohnung zu sehen“.
Was tue ich, wenn ich die Anzahlung schon bezahlt habe?
Handle schnell, auch wenn die Möglichkeiten begrenzt sind:
- Sichere alles: Inserat (Screenshots), Chats, Zahlungsbelege, Telefonnummern, den angeblichen Vertrag und den Ausweis, den man dir geschickt hat.
- Informier sofort deine Bank. Bitte darum, die Überweisung zurückzuholen, und lass den Vorfall festhalten, auch wenn die Chancen bei einer Echtzeitüberweisung gering sind.
- Erstatte Anzeige bei einer Polizeiinspektion, mit allem Material, und melde den Betrug zusätzlich der Meldestelle des Bundeskriminalamts ([email protected]). Gib die Telefonnummer und die Zahlungsdaten an: Das sind die Ansatzpunkte für die Ermittlungen.
- Melde das Inserat beim Portal und die Nummer im Verzeichnis der Spam-Nummern, damit das nächste Opfer gewarnt ist. Dubiose Anrufe und WhatsApp-Nachrichten kannst du zusätzlich der Meldestelle Rufnummernmissbrauch der RTR melden.
- Wenn du deinen Ausweis oder Lohnzettel geschickt hast, behalte deine Konten im Auge und überleg dir eine eigene Anzeige wegen möglichen Identitätsmissbrauchs.
Häufige Fragen
Ist eine Anzahlung sicher, wenn mir der Vermieter ein Foto seines Ausweises schickt? Nein. Ein Ausweisfoto beweist gar nichts: Es kann gefälscht, gestohlen oder von jemand anderem sein. Eine Anzahlung leistet man erst nach der Besichtigung und mit unterschriebenem Vertrag.
Die Wohnung gibt es wirklich, ich habe sie von außen gesehen – reicht das? Nein. Hauseingang oder Fassade zu sehen, beweist nicht, dass die Person, die vermietet, auch Eigentümerin ist. Du musst hinein und dir die Berechtigung nachweisen lassen.
Sind bekannte Portale frei von solchen Inseraten? Nein. Die Portale entfernen betrügerische Inserate, wenn sie sie entdecken oder sie gemeldet werden, aber die Betrüger stellen ständig neue online. Prüfen musst du selbst, auf jedem Portal.
Man verlangt nur € 50 „Bearbeitungsgebühr für die Besichtigung“ – kann das seriös sein? Nein. Für die Besichtigung einer Mietwohnung Geld zu verlangen, ist keine seriöse Praxis: Es ist die Billigversion desselben Betrugs, die funktioniert, weil es „nur € 50“ sind und kaum jemand Anzeige erstattet.
Zusammengefasst
Bei der Miete ist die seriöse Reihenfolge nicht verhandelbar: Inserat, Besichtigung von innen, Nachweis der Berechtigung, Vertrag und erst dann eine nachvollziehbare Zahlung. Alles, was diese Reihenfolge umdreht (zahlen vor dem Sehen, eilige Echtzeitüberweisung, unerreichbarer Vermieter), ist Mietbetrug in einer seiner Formen. Prüf die Telefonnummer im Verzeichnis der Spam-Nummern von NoCall, bevor du dich in die Wohnung verliebst, und wenn du schon gezahlt hast: so schnell wie möglich Bank und Anzeige. Weitere Schritt-für-Schritt-Anleitungen findest du in unseren Situationsleitfäden.
Quellen und Prüfung
Geprüft:
Nummerierung, Anbieterwerkzeuge und Meldeverfahren können sich ändern. Prüfen Sie sensible Schritte bei der verlinkten offiziellen Stelle.
Artikeldetails
Redaktionelle Inhalte, von NoCall geprüft, mit praktischem Kontext zum Erkennen verdächtiger Anrufe und Nachrichten.
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