Paket beim Zoll festgehalten: Die falsche Gebührenzahlung per SMS oder Anruf
Du bekommst ein SMS, eine WhatsApp-Nachricht oder einen Anruf: Dein Paket hängt beim Zoll fest, und du musst ein paar Euro zahlen, um es freizubekommen. Das ist fast immer Betrug. So funktioniert die Masche, so unterscheidest du echte Einfuhrabgaben von gefälschten, und das tust du, wenn du schon gezahlt hast.
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Paket beim Zoll festgehalten: Die falsche Gebührenzahlung per SMS oder Anruf
„Ihre Sendung wird beim Zoll festgehalten. Bitte begleichen Sie die ausstehenden Gebühren von € 2,99.“ Manchmal kommt das per SMS, manchmal per WhatsApp oder E-Mail und immer öfter als Anruf: eine Bandansage, die dich bittet, die 1 zu drücken, um mit „der Zollabteilung“ zu sprechen, oder eine Person, die sich als Mitarbeiter eines Paketdienstes ausgibt. Es geht nicht um die drei Euro, sondern um deine vollständigen Kartendaten, den Freigabecode deiner Bank oder, bei aufwendigeren Varianten, um immer höhere Überweisungen.
Dieser Leitfaden konzentriert sich auf den Zoll-Köder und auf Anrufe. Hast du das allgemeine SMS „Paket konnte nicht zugestellt werden“ im Namen der Post oder eines anderen Zustelldienstes bekommen, findest du mehr dazu in unseren Situationsleitfäden.
Wie funktioniert der Betrug mit Zollgebühren?
- Die Nachricht. Im Namen der Post, eines internationalen Kurierdienstes oder „des Zolls“: Ein Paket auf deinen Namen werde festgehalten, es fehlten Einfuhrumsatzsteuer, Zoll oder „Verzollungsgebühren“.
- Der Link oder die Taste. Du sollst auf einen Link tippen oder eine Taste drücken, um „die Gebühr zu zahlen“.
- Die Zahlung. Auf einer gefälschten Seite gibst du deine Kartendaten ein und bestätigst den Code deiner Bank. Manchmal wird eine Überweisung oder sogar eine Gutscheinkarte verlangt.
- Das Abkassieren. Mit deinen Daten wird deutlich mehr abgebucht als die angeblichen Gebühren.
Es gibt eine längere Variante, die mit Liebesbetrug und falschen Gewinnen zusammenhängt: Jemand, den du online kennengelernt hast, „schickt dir ein Geschenk“, und kurz darauf meldet sich ein falscher Paketdienst: Das Paket liege beim Zoll, und es müssten Hunderte oder Tausende Euro für Gebühren, Versicherung oder „Zertifikate“ bezahlt werden.
Warum wirkt das so glaubwürdig?
Weil es Einfuhrabgaben tatsächlich gibt. Seit Juli 2021 fällt in der EU auf Sendungen aus Nicht-EU-Ländern grundsätzlich ab dem ersten Cent Einfuhrumsatzsteuer an, und viele Menschen bestellen bei Händlern außerhalb der EU. Wer gerade auf so ein Paket wartet, rechnet mit einer Zahlung. Dazu kommen kleine Beträge, die keinen Alarm auslösen, und Zeitdruck („Rücksendung in 48 Stunden“).
Wie unterscheidest du echte Zollgebühren von gefälschten?
- Echte Abgaben hängen an einer echten Sendung. Sie erscheinen in der offiziellen Sendungsverfolgung des Zustelldienstes, mit deiner Sendungsnummer, die du vom Händler bekommen hast.
- Du prüfst und zahlst über den offiziellen Weg: in der App oder auf der Website des Zustelldienstes, die du selbst öffnest, oder direkt bei der Zustellung. Nicht über einen Link aus einem unerwarteten SMS.
- Der Zoll ruft dich nicht an, um Gebühren telefonisch zu kassieren, und verlangt keine Zahlung per Gutscheinkarte. Allgemeine Informationen zu Einfuhren findest du auf der Zoll-Seite des Finanzministeriums.
- Bei Sendungen innerhalb der EU fällt in der Regel kein Zoll an. Ein „Zoll-SMS“ für eine Bestellung aus Deutschland ist ein klares Warnsignal.
- Die Post warnt selbst auf ihrer Sicherheitsseite vor Phishing in ihrem Namen.
Was tust du jetzt sofort?
- Tipp nicht auf den Link und drück bei Bandansagen keine Taste.
- Leg auf, wenn jemand anruft.
- Prüf selbst: Erwartest du ein Paket, öffne die offizielle App oder Website des Zustelldienstes und gib deine Sendungsnummer ein. Steht dort nichts von Abgaben, war die Nachricht gefälscht.
- Gib keine Kartendaten und keine Codes weiter.
- Melde die Nachricht bei der Meldestelle Rufnummernmissbrauch der RTR und blockier die Nummer.
Und wenn du schon gezahlt oder deine Kartendaten angegeben hast?
- Ruf sofort deine Bank an, über die Nummer auf der Rückseite deiner Karte, und lass die Karte sperren. Sag auch, ob du einen Freigabecode bestätigt hast.
- Prüf deine Umsätze in den nächsten Wochen.
- Hast du per Überweisung gezahlt, informier trotzdem die Bank. Je früher, desto besser.
- Sichere Beweise: SMS, Link, Anrufliste, Screenshots, Belege.
- Erstatte Anzeige bei einer Polizeiinspektion. Hinweise auf Internetbetrug nimmt auch die Meldestelle des Bundeskriminalamts unter [email protected] entgegen.
Häufige Fragen
Ich erwarte ein Paket von außerhalb der EU. Woran erkenne ich, ob die Gebühren echt sind? Prüf es mit deiner Sendungsnummer in der offiziellen App oder auf der Website des Zustelldienstes, die du selbst öffnest. Echte Abgaben stehen dort, gefälschte nicht.
Man hat mich angerufen und ich hab Namen und Adresse genannt, aber nicht die Karte. Ist das schlimm? Nicht unmittelbar. Rechne aber mit weiteren, gezielteren Versuchen und sei bei Anrufen und Nachrichten besonders vorsichtig.
Jemand, den ich online kennengelernt habe, hat mir ein Geschenk geschickt, und jetzt will der Zoll Geld. Ist das normal? Nein, das ist ein klassisches Muster von Love Scam. Zahl nichts und sprich mit einer Vertrauensperson.
Was, wenn die Bank mir das Geld nicht erstattet? Lass dir die Ablehnung schriftlich geben und hol dir Rat beim Konsumentenschutz der Arbeiterkammer oder beim VKI.
Kurz gesagt
Echte Zollabgaben siehst du in der offiziellen Sendungsverfolgung, nicht in einem SMS mit Link oder einem Anruf mit Bandansage. Nicht tippen, keine Taste drücken, selbst mit der Sendungsnummer prüfen. Ist es schon passiert: Karte sperren, Bank informieren, Anzeige erstatten. Melde die Nummer im Verzeichnis der Spam-Nummern von NoCall.
Quellen und Prüfung
Geprüft:
Nummerierung, Anbieterwerkzeuge und Meldeverfahren können sich ändern. Prüfen Sie sensible Schritte bei der verlinkten offiziellen Stelle.
Artikeldetails
Redaktionelle Inhalte, von NoCall geprüft, mit praktischem Kontext zum Erkennen verdächtiger Anrufe und Nachrichten.
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