Anruf von deinem „Strom- oder Gasanbieter“: falsche Rabatte und Tarifwechsel
Jemand ruft an und gibt sich als dein Strom- oder Gasversorger aus: ein Rabatt, eine drohende Preiserhöhung oder eine „notwendige Vertragsanpassung“. In Wahrheit will er dich unbemerkt zu einem anderen Lieferanten wechseln oder an deine Bankdaten kommen. So erkennst du es und das tust du.
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Anruf von deinem „Strom- oder Gasanbieter“: falsche Rabatte und Tarifwechsel
Das Telefon läutet: „Guten Tag, hier ist Ihr Stromversorger. Ab nächstem Monat steigen die Preise, aber wir können Ihnen einen Spezialtarif anbieten.“ Oder: „Wegen einer gesetzlichen Änderung müssen wir Ihren Vertrag heute noch anpassen.“ Der Anrufer klingt kompetent, kennt vielleicht sogar deinen Namen und deine Adresse. In Wahrheit arbeitet er oft für einen anderen Anbieter oder einen Vertriebspartner, der dir einen Lieferantenwechsel unterschieben will – oder für Betrüger, die es auf deine Bankdaten abgesehen haben. Ein echter Vertrag entsteht nicht durch Druck am Telefon, und deine Zählpunktnummer und IBAN gibst du niemandem, den du nicht selbst angerufen hast.
Wie funktioniert dieser Betrug?
- Die Verkleidung. Der Anrufer nennt sich „Ihr Energieversorger“, „der Netzbetreiber“, „die Energieberatung“ oder sogar „die Regulierungsbehörde“, ohne klar zu sagen, für welches Unternehmen er arbeitet.
- Der Köder. Ein Rabatt, eine Rückerstattung, eine Warnung vor Preiserhöhung oder eine angebliche Pflicht, den Vertrag „anzupassen“.
- Der Druck. „Das Angebot gilt nur heute“, „sonst wird Ihr Tarif automatisch teurer“.
- Die Daten. Du sollst „zur Überprüfung“ deine Zählpunktnummer (sie steht auf deiner Rechnung), dein Geburtsdatum und deine IBAN nennen und ein „Ja, ich bin einverstanden“ sagen. Damit wird ein Vertrag bei einem anderen Lieferanten abgeschlossen, oft zu schlechteren Konditionen oder mit Zusatzleistungen, die du nie wolltest.
- Die Variante Betrug. In anderen Fällen geht es gar nicht um einen Wechsel: Die Bankdaten werden für Abbuchungen genutzt, oder man verlangt eine „Kaution“ oder „Bearbeitungsgebühr“.
Woran erkennst du, dass der Anruf falsch ist?
- Der Anrufer nennt kein klares Unternehmen oder weicht aus, wenn du nachfragst.
- Er will deine Zählpunktnummer, IBAN oder Kundennummer. Dein echter Anbieter hat diese Daten schon.
- Er drängt zu einer sofortigen Entscheidung.
- Er spricht von einer „gesetzlichen Pflicht“, den Vertrag am Telefon zu ändern.
- Er bittet um eine Zahlung, um einen Rabatt oder eine Rückerstattung zu bekommen.
- Du hast nie eingewilligt, Werbeanrufe zu bekommen. Werbeanrufe ohne vorherige Einwilligung sind in Österreich grundsätzlich unzulässig, wie die RTR erklärt.
Was tust du während des Anrufs?
- Frag nach dem genauen Firmennamen, dem Namen des Anrufers und einer Rückrufnummer.
- Nenne keine Daten: keine Zählpunktnummer, keine IBAN, kein Geburtsdatum.
- Stimm keinem Angebot am Telefon zu. Lass dir alles schriftlich schicken.
- Leg auf und ruf deinen echten Anbieter an, über die Nummer auf deiner Rechnung oder in deinem Kundenportal.
- Vergleich selbst, wenn du wirklich wechseln möchtest: Der Tarifkalkulator der E-Control zeigt dir unabhängig die Angebote für deine Region.
Und wenn du deine Daten schon genannt oder dem Wechsel zugestimmt hast?
- Achte auf Post und E-Mails: Begrüßungsschreiben, Vertragsbestätigungen oder Rechnungen eines neuen Lieferanten.
- Nutz dein Rücktrittsrecht. Bei einem am Telefon geschlossenen Vertrag hast du als Verbraucherin oder Verbraucher in der Regel 14 Tage Rücktrittsrecht, ohne Kosten. Erklär den Rücktritt schriftlich und heb einen Nachweis auf.
- Informier deinen bisherigen Anbieter, dass du keinen Wechsel wolltest.
- Hast du deine IBAN genannt, behalte die Kontoauszüge im Auge. Unberechtigte Lastschriften kannst du über deine Bank zurückbuchen lassen.
- Kommst du nicht weiter, kannst du dich an die Schlichtungsstelle der E-Control wenden, die bei Streitigkeiten mit Strom- und Gasunternehmen vermittelt. Rat gibt auch der Konsumentenschutz der Arbeiterkammer.
- War es Betrug, etwa mit verlangten Zahlungen, erstatte Anzeige bei einer Polizeiinspektion.
Häufige Fragen
Kann mich mein Stromversorger wirklich anrufen? Ja, etwa wenn du Kunde bist und es um deinen Vertrag geht. Er wird aber keine Daten verlangen, die er schon hat, und dich nicht unter Druck setzen, sofort etwas zu unterschreiben. Im Zweifel ruf selbst über die Nummer auf der Rechnung zurück.
Man hat mein „Ja“ aufgezeichnet. Hab ich jetzt einen Vertrag? Ein einzelnes „Ja“ allein reicht nicht. Wurde mit deinen Daten tatsächlich ein Vertrag angelegt, kannst du in der Regel innerhalb von 14 Tagen zurücktreten.
Kann man Zuschüsse oder Förderungen telefonisch aktivieren? Nein. Förderungen, Befreiungen oder Zuschüsse beantragst du über offizielle Stellen und Formulare. Niemand „schaltet“ sie frei, indem er dich überraschend anruft und nach deinem Konto fragt.
Wie verhindere ich weitere Anrufe? Widersprich beim anrufenden Unternehmen der Nutzung deiner Daten für Werbung und frag, woher es deine Nummer hat. Unerlaubte Werbeanrufe kannst du beim Fernmeldebüro anzeigen.
Kurz gesagt
Echte Anbieter brauchen deine Zählpunktnummer und IBAN nicht am Telefon und setzen dich nicht unter Druck. Keine Daten nennen, keinem Angebot zustimmen, selbst beim Anbieter nachfragen und Tarife unabhängig bei der E-Control vergleichen. Ist es schon passiert: Rücktrittsrecht nutzen, Bank im Auge behalten, Schlichtungsstelle einschalten. Melde die Nummer im Verzeichnis der Spam-Nummern von NoCall.
Quellen und Prüfung
Geprüft:
- Schlichtungsstelle - www.e-control.at - E-Control
- Tarifkalkulator - Tarifrechner - www.e-control.at - E-Control
- Werbeanrufe - Cold Calling | RTR
- Anzeigen Werbe-Mail, Werbe-SMS, Werbe-Fax, unerbetene Anrufe - Fernmeldebüro
Nummerierung, Anbieterwerkzeuge und Meldeverfahren können sich ändern. Prüfen Sie sensible Schritte bei der verlinkten offiziellen Stelle.
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