Geheimcodes fürs Handy, die wirklich funktionieren
Im Netz kursieren Listen mit "Spionage-Codes" fürs Handy voller Mythen. Das sind die GSM-Codes, die wirklich funktionieren, wofür sie gut sind – und wie du damit Rufumleitungen entdeckst, die du nie eingerichtet hast.

Bestimmt hast du schon eine Liste mit "geheimen Handy-Codes" gesehen, die versprechen, herauszufinden, ob du ausspioniert wirst, dein Telefon "abgehört" wird oder jemand deine Nachrichten liest. Die meisten dieser Listen mischen echte Codes mit Mythen – und am Ende tippen Leute Kombinationen ein, die gar nichts tun, oder ziehen, schlimmer noch, falsche Schlüsse. Bringen wir Ordnung rein: Das hier sind die Codes, die wirklich funktionieren, was jeder einzelne tut – und vor allem, wie du sie für etwas wirklich Nützliches einsetzt: Rufumleitungen zu entdecken, die du nie aktiviert hast. Eine Technik, die Betrüger tatsächlich nutzen.
Was sind diese Codes – und warum funktionieren sie?
Es sind keine versteckten Tricks und keine Hintertüren: Es sind MMI-Codes, Standardbefehle der GSM-Netze, die jedes Telefon versteht. Man wählt sie in der Telefon-App wie eine Nummer, und sie fragen Netzdienste ab oder ändern sie: Rufnummernanzeige, Umleitungen, Anklopfen. Deshalb funktionieren sie auf Android und iPhone gleich, bei jedem Anbieter: Sie hängen nicht vom Hersteller ab, sondern vom Standard.
Das ist auch der Weg, die Spreu vom Weizen zu trennen: Wenn ein Code keinem Standard-Netzdienst entspricht, tut er auf deinem Telefon höchstwahrscheinlich gar nichts.
Die Codes, die wirklich funktionieren – einer nach dem anderen
| Code | Was er tut |
|---|---|
| *#06# | Zeigt die IMEI, die eindeutige Kennung deines Telefons. |
| #31# + Nummer | Unterdrückt deine Nummer nur für diesen einen Anruf. |
| *#21# | Fragt ab, ob die bedingungslose Rufumleitung aktiv ist (alle Anrufe). |
| *#61# | Fragt die Umleitung ab, wenn du nicht abnimmst. |
| *#62# | Fragt die Umleitung ab, wenn du ausgeschaltet oder ohne Empfang bist. |
| *#67# | Fragt die Umleitung ab, wenn deine Leitung besetzt ist. |
| ##002# | Löscht alle Rufumleitungen auf einen Schlag. |
| *#43# | Fragt ab, ob Anklopfen aktiviert ist. |
Drei kurze Anmerkungen:
- *#06# ist gleich jetzt eine Minute wert: Notier deine IMEI an einem sicheren Ort. Wird dein Handy gestohlen, fragen Anbieter und Polizei danach, um das Gerät zu sperren – und es ist deutlich leichter, sie notiert zu haben, als sie auf der Verpackung oder der Rechnung zu suchen.
- #31# ist der Privatsphäre-Code schlechthin: eine Anzeige oder einen Fremden anrufen, ohne die eigene Nummer zu zeigen. Er hat einen eigenen Artikel mit den dauerhaften Einstellungen und seinen Grenzen: mit unterdrückter Nummer anrufen.
- Die Abfrage-Codes (die mit *# beginnen) ändern nichts: Sie zeigen nur den Status des Dienstes. Du kannst sie ohne Sorge wählen.
Warum sollten dich Rufumleitungen interessieren?
Hier liegt der echte Wert dieser Liste – und das, was die "Spionage-Code"-Listen meist falsch erzählen. Eine Rufumleitung sorgt dafür, dass Anrufe an dich am Ende auf einer anderen Nummer klingeln. Das ist ein nützlicher, legitimer Dienst (aufs Festnetz zu Hause umleiten, auf eine Kollegin im Urlaub) – aber auch ein Werkzeug, das Betrüger ausnutzen, wenn sie es schaffen, es auf deiner Leitung zu aktivieren.
Wie nutzen sie das? Zwei reale Beispiele aus der Betrugswelt:
- Deine Verifizierungen abfangen. Viele Dienste verifizieren deine Identität per Anruf. Aktiviert ein Betrüger eine Umleitung auf deiner Leitung, klingelt dieser Verifizierungsanruf auf seinem Telefon, nicht auf deinem – und er kann Vorgänge abschließen, indem er sich als du ausgibt.
- Kapern von WhatsApp-Konten. Eine bekannte Variante kombiniert Social Engineering mit Umleitungen: Der Betrüger bringt dich dazu, einen Umleitungs-Code zu wählen (manchmal getarnt als "Code, um ein Problem zu beheben"), leitet deine Anrufe auf eine eigene Nummer oder die Mailbox um und nutzt dann die Anruf-Verifizierung von WhatsApp, um dein Konto auf seinem Handy zu registrieren.
Daraus folgt eine einfache Regel: Wähle nie Codes, die dir ein Unbekannter am Telefon diktiert – egal ob er behauptet, dein Anbieter oder der technische Support zu sein. Wenn dich so ein Anruf mit einem mulmigen Gefühl zurückgelassen hat, geh das Vorgehen in was tun bei einem verdächtigen Anruf durch.
Wie prüfe ich, ob eine Umleitung aktiv ist, die ich nie eingerichtet habe?
Eine Ein-Minuten-Kontrolle, die nichts kostet:
- Wähle *#21# und ruf an. Du siehst, ob die bedingungslose Umleitung aktiv ist – und wenn ja, zu welcher Nummer.
- Wähle *#61#, *#62# und *#67#, um die bedingten Umleitungen zu prüfen. Achtung: Es ist normal, dass *#61# oder *#62# eine seltsame Nummer anzeigen, denn deine Mailbox funktioniert genau so – als Umleitung auf die Mailbox-Nummer deines Anbieters.
- Taucht eine Umleitung zu einer Nummer auf, die du nicht kennst und die nicht deine Mailbox ist, prüf sie zuerst: Such sie im Spam-Nummern-Verzeichnis und schau, ob es Meldungen gibt, und ordne ihre Herkunft in unserem Vorwahlen-Guide ein.
Du hast eine fremde Umleitung gefunden? Geh in dieser Reihenfolge vor:
- Lösch alles mit ##002#. Das entfernt jede aktive Umleitung auf der Leitung (die Mailbox musst du danach neu aktivieren, falls du sie nutzt; dein Anbieter erledigt das schnell).
- Ändere die Passwörter der wichtigen Konten, die an deine Nummer geknüpft sind (Banking, E-Mail, WhatsApp), und aktiviere überall die Zwei-Faktor-Authentifizierung, wo es geht.
- Informiere deinen Anbieter über die nicht autorisierte Umleitung, damit er die Leitung prüft und weitere Änderungen ausschließt.
Verrät mir *#21#, ob mein Telefon abgehört wird?
Nein – und das ist der meistwiederholte Mythos aller "Geheimcode"-Listen. *#21# sagt dir genau eine Sache: ob eine Rufumleitung aktiv ist. Mehr nicht.
Eine echte Telefonüberwachung, wie sie Behörden in einem Ermittlungsverfahren anordnen können, passiert im Netz, nicht auf deinem Gerät – und hinterlässt keinerlei sichtbare Spur in diesen Codes oder irgendeinem Menü deines Telefons. Kein MMI-Code kann sie erkennen, und wer dir in einem Video oder mit einer App das Gegenteil verkauft, täuscht dich. Dasselbe gilt für Spyware, die auf dem Handy selbst installiert ist: Die findet man nicht mit Netz-Codes, sondern indem man installierte Apps und Berechtigungen durchgeht – oder das Telefon in ernsten Fällen auf Werkseinstellungen zurücksetzt.
Dass eine unbekannte Umleitung ein schlechtes Zeichen ist (das ist sie, und du weißt jetzt, wie man aufräumt), macht aus *#21# noch keinen Spionage-Detektor. Das sind zwei verschiedene Dinge.
Häufige Fragen
Kann ich mit diesen Codes etwas kaputt machen? Die Abfrage-Codes (*#21#, *#61#, *#62#, *#67#, *#43#, *#06#) ändern nichts. Der einzige in dieser Liste, der die Leitung verändert, ist ##002# – er löscht alle Umleitungen, einschließlich der Mailbox.
*Ich habe #62# gewählt und es erscheint eine unbekannte Nummer. Wurde ich gehackt? Fast sicher nicht: Das ist in der Regel die Mailbox-Nummer deines Anbieters, denn die Mailbox ist technisch eine Umleitung. Im Zweifel frag deinen Anbieter, ob die Nummer zu ihm gehört.
Funktionieren diese Codes auf dem iPhone? Ja. Es sind Netz-Codes, keine Betriebssystem-Funktionen: Sie funktionieren auf iPhone und Android gleich.
Gibt es Codes, um die Nachrichten anderer zu lesen oder ihren Standort zu sehen? Nein. Kein MMI-Code gibt Zugriff auf Daten eines anderen Telefons. Jede Liste, die so etwas verspricht, mischt Mythen unter die echten Codes dieser Anleitung.
Fazit
Die echten "Geheimcodes" sind wenige, öffentlich und unspektakulär: IMEI abfragen, Nummer unterdrücken, Umleitungen und Anklopfen verwalten. Ihr Wert liegt nicht in irgendeiner angeblichen Spionage-Erkennung, sondern in der Basis-Hygiene: die IMEI notieren, falls das Handy gestohlen wird, und ab und zu mit *#21# und Co. prüfen, dass niemand eine Umleitung auf deine Leitung geschmuggelt hat. Taucht eine fremde auf: ##002#, neue Passwörter und den Anbieter informieren.
Und wenn die verdächtige Nummer nicht in einer Umleitung steckt, sondern dich anruft, ist die Prüfung noch einfacher: Such sie im Spam-Nummern-Verzeichnis von NoCall und schau, ob andere Nutzer sie schon gemeldet haben. Hat dich eine lästige Nummer angerufen, melde sie: Jede Warnung macht es für den Nächsten leichter.
Artikeldetails
Redaktionelle Inhalte, von NoCall geprüft, mit praktischem Kontext zum Erkennen verdächtiger Anrufe und Nachrichten.
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