Telefonbetrug in der Schweiz: Die häufigsten Maschen im Überblick
Enkeltrick, falsche Polizisten, angebliche Bankmitarbeiter und teure Rückrufe – die bekanntesten Betrugsmaschen am Telefon, ihre Warnsignale und die richtigen Reaktionen.

Telefonbetrug funktioniert, weil er Gefühle ausnutzt: Angst um die Enkel, Angst vor der Polizei, Sorge um das eigene Geld. Die Täter wechseln ihre Geschichten häufig, doch die Grundmuster bleiben gleich. Wer sie kennt, erkennt einen Betrugsanruf oft schon nach wenigen Sätzen – und weiss dann auch, was zu tun ist. Hier die Maschen, die in der Schweiz derzeit am häufigsten vorkommen.
Der Enkeltrick
Ein Anrufer mit verstellter Stimme meldet sich mit «Hallo Grosi, rate mal, wer da ist?» und gibt sich als Enkel oder nahe Bekannte aus. Kurz darauf ruft eine zweite Person an – angeblich ein Anwalt oder Polizist –, erzählt von einem Unfall oder einer Verhaftung und bittet um eine hohe Summe in bar, die ein «Kurier» abholen werde.
Warnsignale: Die Stimme klingt gedämpft, der Geldbetrag ist hoch, und Bargeld oder Wertsachen sollen an fremde Personen übergeben werden. Echte Notfälle regelt man über Familie, Versicherungen oder Anwälte – nicht über eine Bargeldabholung an der Haustür.
Was tun: Legen Sie auf, rufen Sie das echte Familienmitglied über die bekannte Nummer zurück und informieren Sie weitere Verwandte. Erstatten Sie in jedem Fall Anzeige bei der Polizei – die Kantonspolizeien warnen regelmässig vor genau dieser Masche.
Der falsche Polizist
Hier geben sich Anrufer als Polizisten aus, angeblich von einer Spezialabteilung oder einer Fahndungsgruppe. Sie berichten von Einbrecherbanden, die es auf Bankkunden abgesehen hätten, und fordern dazu auf, Bargeld und Schmuck zur «sicheren Aufbewahrung» an eine Vertrauensperson zu übergeben. Manche lassen ihre Opfer zusätzlich von angeblichen «Bankmitarbeitern» zurückrufen, die zur Bande gehören.
Warnsignale: Die echte Polizei nimmt niemals Bargeld oder Wertsachen entgegen und kündigt keine Einsätze am Telefon an. Besonders auffällig: Der Anrufer verlangt absolute Verschwiegenheit, damit Sie niemanden um Rat fragen können.
Was tun: Auflegen und die Polizei über die offizielle Notrufnummer 117 kontaktieren. Übergeben Sie niemals Wertsachen an Unbekannte, egal wie glaubwürdig die Geschichte klingt.
Der falsche Bankanruf
Genauso verbreitet sind Anrufe angeblicher Bankmitarbeiter, die vor Hackerangriffen warnen. Ob UBS, Raiffeisen, Zürcher Kantonalbank oder PostFinance – die Täter nennen gezielt den Namen Ihrer Bank, um Vertrauen zu schaffen. Dann verlangen sie Codes aus der Banking-App, lassen eine Push-Nachricht «bestätigen» oder fordern eine Überweisung auf ein angebliches «Sicherungskonto».
Warnsignale: Keine Bank ruft unangemeldet an und fragt nach Zugangsdaten oder Freigabecodes. «Sicherungskonten», auf die Kunden ihr Geld selbst überweisen müssten, gibt es nicht.
Was tun: Gespräch beenden und Ihre Bank über die Nummer auf der Bankkarte oder in der offiziellen App zurückrufen. Ist bereits Geld abgeflossen, verlangen Sie sofort eine Rückbuchung oder Zahlungssperre – je schneller, desto grösser die Chance.
Paket- und Gewinnmaschen
Nicht jede Masche zielt direkt auf Ihr Konto:
- Paket-SMS: «Ihr Paket wartet beim Zoll, zahlen Sie hier die Gebühr.» Die Nachricht gibt sich als Schweizerische Post, DPD, DHL oder Zollverwaltung aus und führt auf gefälschte Zahlungsseiten.
- Gewinnversprechen: «Sie haben den Hauptpreis gewonnen!» Seriöse Gewinne werden nicht per Anruf gegen vorab zu zahlende «Bearbeitungsgebühren» oder «Steuern» ausgezahlt.
- Ping-Anrufe: Einmaliges Klingeln von unbekannter, oft ausländischer Nummer. Wer zurückruft, landet auf einer teuren Mehrwertleitung. Grundregel: nicht zurückrufen.
- Falsche Support-Anrufe: Angebliche Microsoft- oder Apple-Mitarbeiter wollen per Fernzugriff «Viren entfernen» – und installieren in Wahrheit Spionagesoftware oder stehlen Daten.
Rote Flaggen zusammengefasst
Unabhängig von der Masche wiederholen sich diese Muster:
- Zeitdruck: «Entscheiden Sie sofort, sonst ist es zu spät!»
- Geheimhaltung: «Erzählen Sie niemandem davon, auch nicht Ihrer Bank.»
- Geld an Unbekannte: in bar, per Überweisung ins Ausland oder über Gutscheine und Kryptowährungen.
- Datenabfrage: Passwörter, Codes oder Kartendaten werden am Telefon verlangt.
- Falsche Autorität: Bank, Polizei, Zoll oder ein Enkel in Not – aber der Kontakt kam unerwartet.
Was tun, wenn es passiert ist
Auch aufmerksame Menschen fallen herein – Scham hilft nur den Tätern. Reagieren Sie schnell:
- Bank sofort informieren und Zahlungen stoppen lassen, falls Geld oder Daten betroffen sind.
- Anzeige bei der Polizei erstatten, mit allen bekannten Nummern, Uhrzeiten und Gesprächsinhalten.
- Beim NCSC melden (antiphishing.ch oder report.ncsc.admin.ch), damit andere gewarnt werden.
- Zugangsdaten ändern, falls Sie Passwörter oder Codes genannt haben.
- Angehörige warnen, denn dieselbe Masche wird oft im gleichen Umfeld mehrfach versucht.
Fazit
Enkeltrick, falscher Polizist, falscher Bankanruf – alle Maschen leben von Überraschung und Druck. Stellen Sie sich drei Fragen: Kenne ich den Anrufer wirklich? Will er Geld oder Daten? Macht er mir Druck? Wenn die Antworten misstrauisch stimmen, legen Sie auf und prüfen Sie den Vorgang über einen Kanal, den Sie selbst gewählt haben. Diese einfache Regel schützt vor fast jeder Masche.
Quellen und Prüfung
Geprüft:
Nummerierung, Anbieterwerkzeuge und Meldeverfahren können sich ändern. Prüfen Sie sensible Schritte bei der verlinkten offiziellen Stelle.
Artikeldetails
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